Mi 30.09.
09:30
Kino
Arsenal
zu dem KalenderPanelteilnehmer*innen: Fabian Tietke (Filmkritiker und Filmkurator), Hani Salwah Yaakup (Universiti Putra Malaysia), Moderation: Stefanie Schulte Strathaus (Arsenal Filminstitut)
Archivbestände sind immer lückenhaft. Staatliche Bürokratien können vollständige Bestände schaffen (haben dies historisch jedoch nur an einer begrenzten Zahl von Orten über längere Zeiträume hinweg getan). Filmarchive, insbesondere an ihren Entstehungsorten und zu ihrer Entstehungszeit, werden tendenziell eher von persönlichen Initiativen sowie sozialen und politischen Zufällen geprägt als von dauerhaften Sammlungspolitiken. Hinzu kommt, dass der Film eine Kunstform und ein Medium von flüchtiger Materialität ist, so dass Verlust für Archivar*innen eine ständige Bedrohung und Herausforderung darstellt. Wie können wir Geschichten des Kinos und durch das Kino aus unvollständigen Archiven schreiben und neue Zukünfte davon und dadurch entwerfen, und wie und in welchem Maße können und sollten wir spekulieren, um die Lücken im Bestand zu schließen?
Stefanie Schulte Strathaus ist künstlerische Leiterin des Arsenal Filminstituts in Berlin. Von 2001 bis 2019 war sie Mitglied des Auswahlkomitees des Berlinale Forum, von 2006 bis 2020 Gründungsdirektorin von Forum Expanded. Sie kuratierte Ausstellungs- und Forschungsprojekte wie Living Archive – Archivarbeit als zeitgenössische künstlerische und kuratorische Praxis (2010–2013) und Archive außer sich (2017–2022). 2021 initiierte sie das seither zweijährig stattfindende Festival Archival Assembly. Schulte Strathaus ist Vorstandsmitglied der FIAF, des Masterstudiengangs Film Culture an der University of Jos in Nigeria sowie des Harun-Farocki-Instituts. Sie ist (mit Vinzenz Hediger) Mitherausgeberin von Accidental Archivism: Shaping Cinema’s Futures with Remnants of the Past (2024).
Fabian Tietke ist freier Filmkritiker und Filmprogrammierer mit Schwerpunkt auf Film und sozialen Bewegungen, italienischer, deutscher und chinesischer Filmproduktion sowie Filmgeschichte. Text: A Laboratory for Political Film: The Formative Years of the German Film and Television Academy and Participatory Filmmaking from Workerism to Feminism, in: Christina Gerhardt, Marco Abel (Hrsg.): Celluloid revolt: German screen cultures and the long 1968 (2019).
Dr. Hani Salwah Yaakup ist Senior Lecturer an der Universiti Putra Malaysia und forscht zu Filmsoziologie, Rundfunk und malaiischer Populärkultur. Ihre Arbeit untersucht das malaysische Horrorkino im Kontext lokaler Glaubenssysteme, indigener Überlieferungen und kultureller Identität. Aktuell beschäftigt sie sich mit audiovisuellem Erbe, Environmental Humanities und Living Archives sowie der Bewahrung indigenen Wissens und ökologischer Erinnerung in Orang-Asli-Gemeinschaften.
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